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Das “Rittergut Lüning” in Sulingen

Das sehenswerte kleine Städtchen Sulingen gehörte zwar nie zur Grafschaft Diepholz, aber weil es  nur 32 km von Diepholz entfernt liegt und mit dem Auto schnell und bequem erreichbar ist, soll es hier auch vorgestellt werden.

Sulingen wird im Jahre 1029 erstmals als ein burgloser Oberhof des Bistums Minden erwähnt. Dieser fiel am Ende des Mittelalters an die Grafschaft Hoya. Im 15. Jahrhundert bildete sich um den Oberhof der Flecken Sulingen. Trotz seiner zentralen Lage an der Heerstraße Bremen-Minden und der Hauptpoststation war Sulingen kein Amtssitz, sondern gehörte zum Amt Ehrenburg, war aber der bedeutendste Ort in dem Amtsbezirk. Erst 1852 wurde unter König Georg V. ein Amt Sulingen gebildet. Aus dem Amt entstand 1885 der Kreis Sulingen, den Sulingen jedoch im Jahre 1932 an den Kreis Diepholz abgeben mußte. Seither gehört Sulingen zum Kreis Diepholz. Sulingen erhielt 1929 das Stadtrecht, blieb aber durch den Verlust des eigenen Landkreises hinter Diepholz zurück. Ein historisches Ereignis ist besonders erwähnenswert: Am 03. Juni 1803 wurde im Haus des Superintendenten die Konvention mit dem napoleonischen General Mortier abgeschlossen, die später zur Auflösung der hannoverschen Armee führte (Quelle: Brüning, Schmidt, Handbuch der historischen Stätten Deutschlands Bd.2). Die hannoversche Armee konnte sich daraufhin an das Nordufer der Elbe zurückziehen. Jedoch verweigerten sowohl Kurfürst Georg III. (in seiner Funktion als König von Großbritannien), als auch Napoleon die Ratifikation der Kapitulation von Sulingen, so daß die eigentliche, weitergehende Kapitulation des Kurfürstentums Hannover am 05. Juli 1803 in Artlenburg erfolgte (Quelle: Wikipedia).

 

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Siedenburg

Mit dem “Frieden von Amiens” war es 1802 zum Friedensschluß zwischen Frankreich und England gekommen. Doch Napoleon plante heimlich die Landung in England. Sein erster Schlag erfolgte 1803 mit dem Überfall auf das durch Personalunion mit Großbritannien verbundene Kurfürstentum Hannover und dessen Annexion.

>>[...] In England, dem der Angriff eigentlich galt, rührte sich keine Hand zur Rettung Hannovers. Das hilflose hannoversche Ministerium verhandelte in Berlin und Petersburg zugleich für und gegen Preußens Einschreiten [...]. So kam es am 3. Juni 1803 zur Kapitulation der hannoverschen Truppen bei Sulingen. Die Armee mußte sich hinter die Elbe in das Herzogtum Lauenburg zurückziehen; das Kurfürstentum wurde von den Truppen des Generals Edouard Mortier (1768-1835) besetzt. Da Georg III. den Abmachungen von Sulingen lediglich als Kurfürst und auch nur unter Vorbehalt beitrat, als König von Großbritannien die Ratifizierung jedoch entschieden ablehnte, kam es in der von Mortier erzwungenen Elbkonvention von Artlenburg am 5. Juli zur völligen Auflösung des hannoverschen Heeres und zur endgültigen Besetzung des Kurfürstentums. [...]<<

[Zit.aus: Hannover im Glanz und Schatten des britischen Weltreiches, Historisches Museum Hannover, 1977]

Heute hat die Stadt Sulingen rund 12.700 Einwohner, davon 9.273 in Sulingen (Zentrum), den Rest in den zur Stadt gehörenden Nachbarorten Groß Lessen, Klein Lessen, Lindern, Nordsulingen und Rathlosen. In Sulingen sind einige kleine Industrieunternehmen ansässig, etwa die Lloyd-Schuhfabrik, ein Metallveredelungs-Unternehmen, eine Metallgießerei und eine Bonbon-Fabrik.  Ein Vergleich der Daten in der “Bertelsmann-Statistik” (Wegweiser Kommune) aus dem Jahre 2008 über die soziale Lage der Einwohner zeigt, daß diese der in der Stadt Diepholz ähnlich ist.

 

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Die Wassermühle des “Rittergutes Lüning” gehört zu den schönsten der Region.

Das markanteste historische Gebäude im Zentrum von Sulingen ist das “Gut Lüning” mit der Wassermühle und der alten Schnapsbrennerei. Dabei handelt es sich um ein ehemals adelig-freies Rittergut, dessen Gründung im Mittelalter nicht zweifelsfrei geklärt ist. Anfang des 17. Jahrhunderts war es im Besitz der Familie von Hitzfeld. Im Jahre 1646 kaufte der Sulinger Bürgermeister Heinrich Schröder das Gut. Nach einem Brand im Jahre 1719 erbaute der Bürgermeister Joachim Kramer   das heute noch stehende, neben dem Gut liegende große Fachwerkhaus. Das Gut ging von der Familie Schröder im Jahre 1784 durch Erbschaft an Erdwin von der Horst. Da dieser in der Harzgrafschaft Hohnstein lebte und gebunden war, verkaufte er das Gut 1798 dem aus Verden stammenden Kaufmann Christoph Friedrich Lüning. Lüning hatte bereits 1778 das große Fachwerkhaus von der Enkelin des Bügermeisters Kramer erworben und 1779 die Kornbrennerei gegründet. Bis 1860 war das Gut gleichzeitig Posthalterei. In dieser mußten ständig mindestens 16 Pferde bereitgehalten werden. 1880 kam zur Landwirtschaft und zur Brennerei des Gutes die Wassermühle hinzu. Die Mühle war unter einem anderen Eigentümer bereits im 18. Jahrhundert vorhanden. Zuletzt trieb sie mit Turbinentechnik einen Generator zur Stromerzeugung für die Schnapsbrennerei an. Das Wasserrad wurde erst im Jahre 2000 wieder angebracht. Nach 1988 verpachtete die Familie Lüning die sämtlichen verstreut liegenden Flächen. 

 

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Die ehemalige Superintendentur. In diesem Gebäude wurde 1803 die Kapitulation der hannoverschen Armee vor Generalleutnant  Mortier unterzeichnet. Das Gebäude wurde in den 1980er Jahren restauriert. Heute befindet sich darin ein Restaurant und das Stadtarchiv. An das historische Ereignis von 1803 wird nicht erinnert. Im Vordergrund des Bildes befindet sich das Kriegerdenkmal.  

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Impression aus der Sulinger Altstadt

Wichtig zu erwähnen ist außerdem, daß Sulingen lange Zeit ein Eisenbahnkreuzungspunkt war. Hier kreuzte sich die 1901 erbaute Strecke Bünde-Sulingen-Bassum, die eine Direktverbindung zwischen den Großstädten Bielefeld und Bremen bildete, mit der in den 1920er Jahren fertiggestellten Bahnstrecke Diepholz-Sulingen-Nienburg. Nach der sogenannten “Bahnreform” der 1990er Jahre wurde die hervorragende Eisenbahnanbindung von Sulingen gekappt. Seit 1994 gibt es in Sulingen keinen Schienen-Personenverkehr mehr. Der Streckenabschnitt von Rahden nach Bassum, an dem Sulingen liegt, wurde 1997 stillgelegt, ebenso die Strecke von Sulingen nach Nienburg. Das Sulinger Bahnhofsgebäude im Bauhausstil der 1950er Jahre wurde sogleich abgerissen. Die Bahn von Diepholz nach Sulingen wird nur noch von Tankzügen für die Exxon-Mobil in Barenburg genutzt. Näheres über die Bahn in Sulingen unter: http://www.eisenbahnkultur.de/

 

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Das Amtshaus mit Amtsgericht wurde 1854 im Stil des hannoverschen Historismus fertiggestellt.

Die evangelisch-lutherische St-Nicolai-Kirche in Sulingen geht auf das beginnende 13. Jahrhundert zurück. Der Bischof von Minden hatte hier einen eigenen Missionsbereich geschaffen. Um 1200 entstand eine einschiffige Feldsteinkirche an der Stelle eines früheren Holzbaus. Nach 1300 wurde die Kirche zu einer romanischen Kreuzkirche aus Feldsteinen erweitert. 1316 wird erstmals ein eigenes Archidiakonat Sulingen genannt, 1417 der Kirchturm aus Feldsteinen erbaut, und die Kirche 1450 zur Hallenkirche ausgebaut. Mit der Reformation wurde das Archidiakonat in eine Superintendentur umgewandelt. Nach der Kapitulation von Sulingen von 1803 diente die Kirche während der französischen Besatzung als Arrestlokal für “widerspenstige Bürger”. 1875 erfolgte eine umfassende Neugestaltung im neogotischen Stil mit einer neogotischen Überbauung der Außenfassade. Der Kirchturm wurde 1908 auf seine heutige Höhe aufgestockt. 1965 stellte man im Innenraum den romanischen Eindruck wieder her und setzte moderne Glasmalereien ein, so daß der Innenraum heute als eine Kombination von Mittelalter und Moderne wirkt. Hatte Sulingen schon 1932 den eigenen Landkreis an Diepholz abgeben müssen, verlor es 1968 auch die eigene Superintendentur an Diepholz.

 

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Der Taufstein der Kirche in Sulingen wurde im 15. Jahrhundert von Graf Heinrich II. von Hoya gestiftet. 1883 entfernte man das wertvolle Stück und stellte es in den Garten des Gutes Lüning. Erst 1964 kam  der Taufstein wieder zurück in die Kirche.

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Die St.-Nicolai-Kirche zu Sulingen

© Otwin Skrotzki.