Staatswappen

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Das Lemförder Schloß

Der alte Fernweg von Diepholz nach Osnabrück (heute B 51) verlief durch eine Enge zwischen dem undurchdringlichen Sumpfgebiet des Ochsenmoor und dem Stemweder Berg. Hier lag auch die Südgrenze der Grafschaft Diepholz gegen das Bistum Minden. An dieser Enge errichteten die Diepholzer Grafen 1316 ihre südliche Grenzburg. Sie wurde zu ihrer Hauptresidenz. Die Ortschaft Lemförde bestand bereits seit 1248 als Siedlung der älteren, später aufgegebenen und verschwundenen weiter südlich gelegenen Minden-Osnabrücker Burg  “Sturenberg”.

Die von den Diepholzer Grafen 1316 errichtete neue Burg und der Flecken Lemförde wurden stark mit Wällen, Mauern und Gräben bewehrt, da die Durchfahrt der einzige Zugang von Osnabrück zur Grafschaft Diepholz war. Nach dem Aussterben der Diepholzer Grafen im Jahre 1585 fiel die Grafschaft Diepholz samt Lemförde an die Celler Linie der Welfen (Herzogtum Braunschweig-Lüneburg). Im 30-jährigen Krieg wurde die Burg Lemförde mehrfach von beiden Kriegsparteien erobert und besetzt und schließlich zerstört, das Schloß 1671 nur zu einem kleinen Teil als  Landdrostei wiederaufgebaut. 1723 erfolgte im Kurfürstentum Hannover die Abschaffung der Drosten. Damit wurde die Drostei als Amt Lemförde direkt der Regierung in Hannover unterstellt und von einem Amtmann geführt, der im Lemförder Schloß als Dominalgutsherr residierte und für die Einnahmen aus dem Gut Pacht an die hannoversche Regierung zu zahlen hatte. 

Das heute restaurierte, an einen Rest der alten Burg angebaute mächtige Fachwerk-Schloß entstand um 1780. Im Jahre 1859 wurde das königlich-hannoversche Amt Lemförde dem Amt Diepholz angegliedert. Da das Schloß fortan als Amtssitz nicht mehr gebraucht wurde, gelangte es 1875 in Privatbesitz des Freiherrn von Bussche-Ippenburg. Der Freiherr verkaufte später das Gut an den ehemaligen Stallmeister des Stahlfabrikanten Krupp, Wilhelm Köhler. Der letzte Privatbesitzer und Gutsherr im Lemförder Schloß war durch Erbschaft Heinrich Höcker. 1937 wurde das Schloß zu einer Unterkunft für den Reichsarbeitsdienst (weibliche Jungend, RADwJ) umgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen bis 1968 Diakonissen in das Gebäude ein. Danach stand es wegen Baufälligkeit leer und begann zu verfallen. 1992 erfolgte gewissermaßen “in letzter Minute” die Restaurierung, denn eine Abbruch-Genehmigung des Landkreises lag bereits vor, sie war nur wegen der Abrißkosten nicht umgesetzt worden. Heute befinden sich im Schloß Teile der Gemeindeverwaltung und ein italienisches Restaurant. Im Rittersaal finden hin und wieder öffentliche kulturelle Veranstaltungen statt.

 

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Das Lemförder Schloß, Seitenansicht

Torhaus

Auf enem Privatgrundstück existiert noch ein Torhaus des Schlosses

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Lemförde ist ein recht malerischer Ort (Foto von 2006)

>>Lemförde, Flecken, an der Osnabrück-Bremer Chaussee und an der gleichen Bahnstrecke, 4 km südlich vom Dümmersee [...], Fleckensgemeinde Lemförde, Schulgemeinde, Pf. und Standesamt Lemförde; 1895 130 Wohnhäuser, 841 Einwohner, Bahnstation, Postamt, altes Schloß, später die Räumlichkeiten für das hiesige Amt und Amtsgericht bietend, jetzt im Privatbesitz eines Herrn von dem Busche. [...] Lemförde gehört nicht zu den ältesten Ortschaften der Grafschaft Diepholz, und die Gegend hier bildete in frühern Zeiten einen Teil der Herrschaft Steinwede. Als dieser Teil nebst andern Gütern von den Edlen Herren von Diepholz erworben war, jedoch darüber noch immer Streitigkeiten mit dem Stift Minden herrschten, waren die Edlen von Diepholz darauf bedacht, sich durch Anlegung einer Burg als Grenzfeste den Besitz zu sichern, und dies geschah zu Anfang des 14. Jahrhunderts.<<

[H.Gade, Die Grafschaft Diepholz, historisch-geographisch-statistische Beschreibung, 1901]

Die heutige Samtgemeinde Lemförde hat rund 8000 Einwohner und umfaßt neben dem Flecken sämtliche Orte, die einst zum Amt Lemförde gehörten. Lemförde hat gemeinsam mit dem Nachbardorf Dielingen in der Region eine  Bedeutung als Industrieort. Die größten ansässigen Industrieunternehmen sind zu Konzernen gehörende Fabriken, und zwar die  “Elastogran GmbH” (ein Unternehmen der BASF-Gruppe) und die “ZF Lemförder” (ein Unternehmen der “ZF Friedrichshafen AG”). Beide Fabriken sind Zulieferer der Automibilindustrie.

 

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Der Flecken Lemförde vom Stemweder Berg aus gesehen. Aus dieser Perspektive ist noch heute der ungefähre Umriß der alten Festung erkennbar, die den gesamten Flecken umfaßte. Das Schloß ist auf dem Bild durch den Kirchturm halb verdeckt. (Foto von 2008)

© Otwin Skrotzki.

Buchempfehlungen, Quellen:

L. von Husen, H. Meyer “Flecken Lemförde”, Schröderscher Buchverlag, ISBN 3-89728-021-3. Eine 750jährige Gemeinde zwischen Dümmer und Stemweder Berg. Herausgegeben vom Flecken Lemförde 1998, 377 Seiten..