Staatswappen

Bildergalerie Diepholz

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Das Diepholzer Schloß erhielt sein heutiges Aussehen durch Wiederaufbau im Jahre 1663

Diepholz ist eine Kleinstadt in Niedersachsen. Sie liegt etwa 70 km südlich von Bremen am Naturpark Dümmer, ist Sitz des Landkreises Diepholz und hat rund 16500 Einwohner.

Diepholz entstand im 12. Jahrhundert mit dem Bau der Burg und war bis ins 16. Jahrhundert Sitz der Edelherren, später Grafen der Grafschaft Diepholz, danach Amt des Kurfüstentums und Königreichs Hannover, nach der Annexion durch Preußen im Jahre 1866 preußisches Landratsamt und schließlich ab 1885 Sitz des preußischen, später niedersächsischen Landkreises Diepholz.

Der Name “Diepholz” entstand aus “div-broc”, was frei übersetzt etwa “schwankendes Bruch” heißt. So nannte man im 12. Jahrhundert die von Bruchwäldern und Mooren geprägte Region, in der die Edelherren die Wasserburg errichteten, an welcher die Stadt Diepholz entstand. Aus “div-broc” wurde “Thefholte” und daraus schließlich “Diepholz”. Die Stadt erhielt bereits 1380 das Osnabrücker Stadtrecht, wurde jedoch im Zeitalter des Absolutismus zu einem Flecken heruntergestuft, erhielt aber 1929 die Stadtrechte erneut.

Diepholz ist mehr eine Verwaltungs- als eine Industriestadt. 65% der Beschäftigten arbeiten im Dienstleistungssektor, 35% im produzierenden Gewerbe (Stand von 2005). Die wichtigsten Arbeitgeber sind die Behörden und bis vor wenigen Jahren auch die Garnison (Fliegerhorst Diepholz), die voraussichtlich bis 2023 abziehen wird. Aber auch die metallverarbeitende Industrie (ZF Friedrichshafen und Schöma-Lokomotiven), die Kunststoffindustrie, der Vertrieb von Naturkost (Lebensbaum Naturkost) und die Tonträger-Produktion (Pallas) spielen eine bedeutende Rolle. Etwa 10% der Einwohner sind Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion.

   

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Das Rathaus in Diepholz wurde 1904-05 erbaut.

Wie sind die Diepholzer?

Was “typisch Diepholz” sein mag, liegt zumeist im Auge des Betrachters. Am besten sagen es Zitate von Schriftstellern und Autoren. Die Diepholzer sind recht konservativ, ländlich und stark auf ihr Vereinsleben bezogen. Grüppchen, Gruppen und Vereine spielen in Diepholz eine große und zentrale Rolle. Ist man in keinem Verein, bekommt man leicht den Eindruck von einer “geschlossenen Gesellschaft”, was vielen die Identifikation mit ihrer Stadt erschweren kann. Innerhalb dieser Grüppchen sind die Diepholzer aber recht gesellig.

 

>> [...] Überhaupt das Vereinsleben! Es hat einen so gewaltigen Aufschwung genommen, dass sich hier die Aufzählung verbietet. Schon lange gibt es mit “Diepholz aktuell” einen Veranstaltungskalender, der die Existenz dieser Gemeinschaften seitenweise dokumentiert. [...] Das Spektrum der Vereine reicht von der Sportgemeinschaft und dem Heimatverein über die Chöre bis zu vielen kleineren, die sich an Philatelisten, Geflügelzüchter, Imker, Bogenschützen und andere Hobbyfreunde wenden. Die vielfältigen Vereine schaffen sozusagen eine Kommunikationsstruktur, durch die man sich mit seinem Heimatort stärker identifizieren kann [...]<<

[Zit.: Wilfried Gerke, Wo einst das Moor die Grenze war, 1999]

>> Jeder eingesessene Diepholzer hatte vor 25 Jahren, genauer gesagt im Winter des Jahres 1976, seine festen Anlaufpunkte. Er hatte seine Verwandschaft hier wohnen, konnte zu Freunden und Nachbarn gehen. Er kannte genau das Gefüge von Feierlichkeiten und Festivitäten. Er war in einem der vielen Vereine organisiert und wusste somit, wann sein Mitglieder- oder Sportabend war. Wir aber, meine Frau und ich, waren eben erst hergezogen, saßen in einer halbleeren und noch mäßig gemütlichen Wohnung und mussten sehen, dass wir einigermaßen warm wurden mit dieser fremden Stadt. [...]<<

[Zit.: Klaus Seehafer, Schriftsteller, Unterm Schloßturm und umzu, 2005]

>> Wenn man allein ist, können Sonntage in der Kleinstadt noch immer zu Bewährungsproben werden. Das ist hier in Diepholz nicht anders als sonstwo, und nach Sonstwo hatte es mich in meinem Leben ja schon oft genug verschlagen. Immer in kleine Kreisstädtchen merkwürdigerweise, mit ihrer mächtigen Sonntagnachmittagsruhe, bei der alles Geräusch wie von weither kommt. Kinderrufen, Hundegebell, Autos auf der Umgehungsstraße, das schrille Quietschen der Eisenbahnschienen [...] Später gehe ich die leere, weite Bahnhofstraße hinauf, diesen Boulevard-Stumpen, der die Lange Straße mit dem Bahnhof verbindet und dort auch gleich endet. Leer, weit und sonnenüberflutet liegt sie da. Und dann muß ich immer denken, daß ich hier stehe wie bereit zum letzten Schußwechsel: “High Noon” oder so, und von ganz hinten, von der Kreuzung her, müßte jetzt der andere kommen, der im schwarzen Leder [...]<<

[Zit.: Klaus Seehafer,  Schriftsteller, “Unterm Schloßturm und umzu”, 2005]

 

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Sonntag in der Diepholzer City (April 2016)

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Das große Rundhaus (links) am Bremer Eck mit Blick auf die Buchhandlung Schöttler (geschlossen), 2011

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Der Rathausmarkt am Neuen Rathaus ist das Zentrum der Diepholzer Altstadt

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Anstelle des alten, denkmalgeschützten Burgmannshofes “Hinterstraße Nr.14” (zuletzt “Blumen König”) wurde in den 1980er Jahren ein Fachwerk-Neubau errichtet. Links im Bild das ehemalige Küster- und Schulgebäude aus dem 17. Jahrhundert. 

© Otwin Skrotzki

Buchempfehlungen, Quellen:

Wilfried Gerke: “Diepholz - Eine Kreisstadt im Wandel der Zeiten” Die Geschichte von den Anfängen bis heute. Schröderscher Buchverlag Diepholz, ISBN 978-3-89728-066-3

Emil Johannes Guttzeit: “Geschichte der Stadt Diepholz”. Ausführliches Standardwerk über die Frühgeschichte der Stadt von den Anfängen bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Schröderscher Buchverlag Diepholz, ISBN 3-89728-007-8

Emil Johannes Guttzeit: “Diepholz und seine Straßen”. Kurze Geschichte der Stadt und die Geschichte jeder einzelnen Straße. Erschienen im Jahre 1954. Verlag Schrödersche Buchdruckerei, Diepholz, keine ISBN.

Wilfried Gerke: “Wo einst das Moor die Grenze war - eine Geschichte von Diepholz” Schröderscher Buchverlag Diepholz, ISBN 3-89728-031-0

Wilfried Gerke: “Diepholz in alten Ansichten”, Europäische Bibliothek Zaltbommel/Niederlande, D ISBN 90 288 6504 7

Horst Schöttler: “Schöne Grüße aus Diepholz”. Sammlung historischer Bildpostkarten aus Diepholz mit Kommentaren und Erinnerungen. Herausgegeben im Jahre 1980 von der Buchhandlung Ferdinand Schöttler. Kein Verlag, keine ISBN.

Klaus Seehafer: “Unterm Schlossturm und umzu”. Diepholzer Geschichten und Berichte, Ansprachen und Fürsprachen. Schröderscher Buchverlag Diepholz, ISBN 3-89728-061-2

Wilfried Gerke: “Die Reihe Archivbilder: Diepholz” Bildband mit 200 Fotos aus dem Diepholz vergangener Zeiten. Sutton Verlag Erfurt, ISBN 978-3-86680-494-4

Weiterführende Links:

Die Straßem von Diepholz